Mietwohnung und Akkordeon: Rücksicht auf Nachbarn beim Üben nehmen

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Es ist kurz nach Mitternacht. Ich bin gerade von der Spätschicht auf der Kardiologie nach Hause gekommen, meine Beine fühlen sich schwer an und meine Hände riechen trotz dreimaligem Waschen immer noch ganz leicht nach Desinfektionsmittel. In der Stille meiner kleinen Wohnung in Warnemünde steht sie auf dem Tisch: meine Kleine, die zweireihige Ziehharmonika, die ich vor acht Monaten für 45 Euro auf dem Flohmarkt in Güstrow gefunden habe.

Bevor ich mich hinlege, brauche ich diese zehn Minuten. Ich streiche über die kühlen, glatten Kunststoffknöpfe unter meinen Fingerkuppen. Es ist ein seltsamer Kontrast zu den Patientenakten und dem Piepen der Monitore. Aber hier beginnt die Herausforderung: Wie spielt man ein Instrument, das eigentlich dafür gebaut wurde, ein ganzes Festzelt zu unterhalten, in einem hellhörigen Mietshaus in der Nacht? Hinweis: In diesem Text erzähle ich von meinem Weg und nutze Affiliate-Links. Wenn du darüber einen Kurs kaufst, bekomme ich eine Provision, aber für dich bleibt der Preis gleich. Ich empfehle nur, was ich nachts auf meinem Sofa selbst ausprobiert habe.

Die Angst vor dem ersten Ton in der Stille

Als ich die Harmonika damals die 45 Kilometer von Güstrow nach Rostock transportiert habe, war ich einfach nur glücklich. Doch zu Hause angekommen, kam die Ernüchterung. Eine diatonische Ziehharmonika ist laut. Sie atmet. Und in einem Haus, in dem man hört, wenn der Nachbar sich ein Glas Wasser einschenkt, fühlt sich jeder Druck auf den Balg an wie ein politisches Statement.

Ich dachte immer, ich sei zu alt für ein neues Hobby, aber wenn ich den richtigen Knopf finde, fühlt sich das Herz leichter an als nach jedem Patientenbericht. Am Anfang saß ich nur da und habe mich kaum getraut, den Balg aufzuziehen. Ich hatte Angst, dass sofort jemand gegen die Wand klopft. Diese Unsicherheit blockiert einen völlig – man spielt verkrampft, und genau dann klingen die Töne noch schräger.

Nahaufnahme von Händen, die die Tasten einer Ziehharmonika in einer Wohnung berühren.

Der gescheiterte Versuch mit dem Wollschal

Im letzten Spätherbst, als es draußen schon früh dunkel wurde, hatte ich eine glorreiche Idee. Ich wollte die Kleine leiser machen. Ich habe versucht, das Gehäuse mit einem dicken Wollschal zu umwickeln, um es zu dämpfen. Das Ende vom Lied: Der Stoff verfing sich im Balg, blockierte die Luftzufuhr komplett und ich hatte Angst, die Mechanik zu ruinieren. Es funktioniert nicht. Eine Harmonika braucht Luft zum Atmen, genau wie ein Patient auf meiner Station.

Ich musste lernen, dass Lautstärke beim Akkordeon oft mit fehlender Technik zu tun hat. Wenn man nicht weiß, wie man den Druck dosiert, reißt man am Balg und es wird laut und unkontrolliert. In den dunklen Wochen im Januar wurde mir klar: Ich brauche einen Plan. Ich kann nicht einfach nur hoffen, dass mich niemand hört. Besonders nicht als Krankenschwester, die oft dann üben will, wenn der Rest der Welt schläft.

Schichtdienst und Ruhezeiten: Ein ganz eigenes Problem

Die offiziellen Ruhezeiten sind für Menschen wie mich oft ein schlechter Witz. Wenn ich nach der Nachtschicht um zehn Uhr morgens schlafen möchte, fangen die Nachbarn an zu bohren oder Staub zu saugen – und das dürfen sie. Wenn ich aber nachts um eins nach Hause komme und meine zehn Minuten Ruhe am Instrument suche, ist das offiziell verboten. Das ist der Punkt, an dem man kreativ werden muss.

Nach etwa drei Monaten regelmäßigen Drückens gab es tatsächlich diesen einen Moment im Winter: Ein kurzes, trockenes Klopfen an der Wand. Es war nicht bösartig, aber es war deutlich. Ich wusste, ich muss das Gespräch suchen. Ich bin am nächsten freien Tag mit einer Schachtel Pralinen rübergegangen. Es stellte sich heraus, dass es gar nicht das Spiel an sich war, sondern das rhythmische Klopfen meines Fußes auf dem Laminat, das die Nachbarin wahnsinnig gemacht hat.

Krankenhaus-Schuhe neben einem Akkordeonkoffer und einer Schachtel Pralinen als Symbol für Nachbarschaftshilfe.

Struktur hilft gegen den Lärm (und den Frust)

Was mir am meisten geholfen hat, war Struktur. Wenn ich genau weiß, was ich tue, spiele ich leiser und sicherer. Ich habe angefangen, den Ziehharmonika Anfängerkurs von Harmonicademy zu nutzen. Er hat 21 strukturierte Lektionen. Das hat den Vorteil, dass ich nicht mehr ziellos auf den Knöpfen herumdrücke (was meistens laut und hässlich klingt), sondern gezielte Bewegungen übe.

Wenn ich die Umschaltbewegung zwischen Zug und Druck kontrolliert ausführe, kann ich die Lautstärke fast flüstern lassen. Es ist wie beim Blutabnehmen auf Station: Wenn man die Handgriffe verinnerlicht hat, braucht man keine Gewalt mehr. Wer mehr über den Einstieg ohne Noten wissen möchte, kann auch mal in meinen Bericht Zwischen Nachtschicht und Bassknöpfen reinschauen.

Ein Laptop mit einem Online-Kurs steht neben der Ziehharmonika auf einem Tisch.

Wenn die Finger nicht mehr wollen

Es gibt diese Tage, nach einer Doppelschicht, da wollen sich die Finger einfach nicht mehr einzeln bewegen. Der Moll-Bass fühlt sich an wie ein unerreichbarer Berg. An solchen Tagen lasse ich das Instrument lieber im Regal. Es macht keinen Sinn, gegen den eigenen Körper und gegen die Stille der Nacht anzuarbeiten. Wenn die Geduld mit schwierigen Patienten aufgebraucht ist, habe ich auch keine Geduld für falsche Töne.

Aber an guten Tagen, so wie an diesem sonnigen Sonntagmorgen im Mai, sitze ich auf meiner Terrasse mit einem Kaffee. Mein Hund hebt nicht einmal mehr den Kopf, wenn ich die tiefen Bassnoten treffe – er nutzt das sanfte Brummen inzwischen als Einschlafhilfe. Er liegt unter meinem Stuhl und atmet ruhig mit dem Balg mit. Das ist mein größtes Kompliment. Wenn sogar der Hund entspannt, können die Nachbarn auch nicht mehr so viel auszusetzen haben.

Fazit: Ein Miteinander in Warnemünde

Heute, acht Monate nach dem Fund in Güstrow, habe ich meinen Frieden mit der Mietwohnung gemacht. Ich weiß jetzt, dass Rücksichtnahme nicht bedeutet, gar nicht zu spielen. Es bedeutet, klug zu spielen. Für mich war der Ziehharmonika Anfängerkurs der Schlüssel, weil er mir die nötige Sicherheit gegeben hat, um auch leise Töne sauber zu treffen. Falls du ein flexibleres Modell suchst, könnte auch meineMusikschule Akkordeon eine Option sein, besonders wenn du verschiedene Stile ausprobieren willst.

Ein Hund schläft entspannt unter dem Stuhl, während oben die Ziehharmonika zu sehen ist.

Man lernt nie aus – weder im Krankenhaus noch an der Harmonika. Und manchmal ist die beste Musik die, die gerade so laut ist, dass man sie selbst im Herzen spürt, aber der Nachbar nebenan trotzdem ruhig schlafen kann. Wenn du auch erst spät anfängst, schau dir doch mal meine Tipps für Akkordeon für Anfänger ohne Lehrer an. Es lohnt sich, auch wenn es am Anfang nur zehn Minuten in der Nacht sind.

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